
Nach einer kurzen Selbstanalyse komme ich zu dem Schluss, dass ich, trotz all der Monster, die den Sport mit ihrer unendlichen Gier nach Geltung und Moneten zerstören, den Fußball zu sehr liebe, um ihn nicht zu schauen. Mit einem Auge behalte ich die anderen Spiele im Blick. Aus Neugierde. Aber vielleicht auch aus Hoffnung, ein geiles Spiel zu sehen, so rein zufällig
Nach einer kurzen Selbstanalyse komme ich zu dem Schluss, dass ich, trotz all der Monster, die den Sport mit ihrer unendlichen Gier nach Geltung und Moneten zerstören, den Fußball zu sehr liebe, um ihn nicht zu schauen. Mit einem Auge behalte ich die anderen Spiele im Blick. Aus Neugierde. Aber vielleicht auch aus Hoffnung, ein geiles Spiel zu sehen, so rein zufällig. Seit einigen Jahren lässt mein Zustand es nicht mehr zu, dass ich selbst spielen kann, was mir sehr fehlt. Es bleibt die Erkenntnis, dass ich den Fußball in meinem Leben haben möchte. Was mich tröstet, ist der Gedanke, dass all die Superstars die bei der WM spielen, sich darüber so sehr freuen, weil sie als kleines Kind davon geräumt haben. So wie ich damals, in den 1970er und 1980er Jahren. Damals, als ich noch dachte, dass ich bestimmt bald von einem Scout entdeckt werde und endlich in die Bundesliga komme, weil ich gut genug bin, bei den großen mitzuspielen. Heute weiß ich, dass ich niemals über die Bezirksliga, wie sie damals noch hieß, hinausgekommen wäre. Ich war ein passabler Verteidiger, wollte aber immer im Sturm spielen, was meine Karriere eigentlich ausgebremst hat. Aber sind wir mal ehrlich, es gib nicht vieles, das geiler ist, als ein Tor zu schießen. Ich war sogar zweimal interner Torschützenkönig. Leider war ich aber auch ziemlich trainingsfaul und nicht bereit, mich derart zu quälen, dass ich das Maximum aus mir rausgeholt hätte. Ich wollte Spaß haben. Diese ganzen doofen Laufeinheiten, Spielzugübungen, die eh nie zur Platzreife kamen, weil keiner so weit dachte, dass wir irgendwas einstudiert hätten. Wir spielten intuitiv, mit Leidenschaft … eben so, wie es kam. Und das war auch gut so. Natürlich hatten wir auch ein grobes taktisches Konzept, aber das war im Vergleich zu dem heutigen Rasenschach ein Witz.
Was ich sagen will: Die Liebe zum Fußball treibt mich in die gierigen Arme seiner bösen Stiefväter. Vielleicht müssen wir akzeptieren, dass wir Teil das Problems sind. Wir bezahlen am Ende ja die ganze Chose. Ich kenne allerdings viele, die zeitlebens bestenfalls nur interessierte Beobachter des Fußballs waren, die sich davon komplett abwenden. Allerdings nur, um dann eine andere »exotische« Trendsportart zu unterstützen, was auch nicht besser ist, denn da fließt meist noch mehr Geld. Auf diese Leute kann die FIFA locker verzichten, weil es ausreichend zahlungskräftige Fußballbegeisterte gibt, die den Wahnsinn finanzieren.
Doch was ist die Lösung? Ich muss jetzt mal eine Lanze für die Sportler brechen. Diejenigen, die bei der WM auf dem Rasen stehen, sind auch nur Opfer. Ich behaupte jetzt einfach mal, dass kein Spieler bei der WM dabei ist, weil er damit Geld verdient. Es ist nur eine angenehme Nebenwirkung; aber auch eine berechtigte. Denn wenn die Verbände Geld verdienen, sollen die Spieler gefälligst einen guten Teil davon abbekommen. Der ein oder andere steigert durch die WM seinen Marktwert, das ist auch klar, hilft aber am Ende wieder meistens den gierigen Schmarotzern um ihn herum. Es ist zum in die Kissen schluchzen. Egal, was du machst, irgendeiner fällt immer in den Goldtopf, nur die Fans eben nichts, die sind der Topf. Sind wir mal ehrlich: Es ist uns entglitten.
Fazit: Ich schau mir die WM an, versuche, den ganzen Kommerz drumherum auszublenden und das Spiel zu genießen. Denn es wird sich nichts ändern, wenn ich nicht gucke. Der Mensch ist ein Raubtier. Daran können wir nicht rütteln. In diesem Sinne Ole, Ole, Oleee. Auf geht’s Deutschland, schieß ein Tor!