Warum wir nicht immer die Wahrheit sagen dürfen!

Hat unsere Mutter nicht immer zu uns gesagt: „Wer lügt kommt ins Gefängnis“, oder „Ehrlich währt am Längsten“ oder „Lügen haben kurze Beine“ … oder so etwas in der Art?

Hatte sie nicht Recht?
Sollen wir nicht auf unsere Mutter hören?
Klar sollen wir!
Mama ist die Beste!

Aber jetzt schauen wir doch mal, was passiert, wenn wir konsequent die Wahrheit sagen würden.

Es fängt bei Kleinigkeiten an.
Wir treffen einen Bekannten, den wir eigentlich nicht leiden können, auf der Straße und der fragt: „Hey, wie geht’s?“
Wir sagen ihm, gemäß dem Mama-Code die Wahrheit: „Eigentlich ganz gut, aber du verdirbst mir mit deiner Anwesenheit die Laune.“

Die Konsequenz daraus ist, dass der so Angesprochene gekränkt wird, völlig verunsichert weitergeht, sich darüber Gedanken macht, was er uns getan hat und einfach einen schlechten Tag hat. Und das im besten Fall. Über weitere Konsequenzen unserer Ehrlichkeit möchte ich hier nicht referieren. Diese Kette könnte beliebig weitergeführt werden, – bis zum Äußersten, je nach Seelenzustand des Betroffenen. Und das nur, weil wir auf unsere Mutter gehört haben und ehrlich waren.

Nicht zuletzt aus diesem Grund hat es sich eingebürgert, dass wir unsere Mitmenschen ständig belügen.

Wir belügen sogar unsere eigenen Kinder. Hier ein Klassiker:
Das Kind kommt zu uns und zeigt uns ein Bild, auf dem Strichmännchen ohne Körper und windschiefe Häuser zu sehen sind. Die Sonne hat Streifen und das Auto ist größer als das Haus. Es sieht einfach scheiße aus. Dann entsteht folgender Dialog.
„Papa, guck mal mein Bild. Gefällt’s dir?“
„Oh, das ist aber toll, Liebling“, sagen wir euphorisch und streicheln dem Kind den Kopf, hängen das Meisterwerk an den Kühlschrank und bekommen Augenkrebs davon. Aber in Wahrheit denken wir, … eben die Wahrheit: Es sieht scheiße aus. Würden wir das aber unserem Kind sagen, würde es einen Schock fürs Leben bekommen, nie wieder einen Stift in die Hand nehmen, nie wieder kreativ sein, das Vertrauen in uns verlieren und völlig verängstigt zittern beim bloßen Anblick eines Malkastens. Die Kosnequenz daraus, Museen müssen schließen, die Kunst und die Kultur würde komplett sterben. Eine Welt ohne Kunst, … da kann man sich ja gleih erschießen! Und weil wir das nicht wollen, lügen wir unser Kind eben an.

Das ist legitim und nachvollziehbar. Aber warum, muss das überall angewandt werden? Warum kann man nicht einfach zu Leuten gehen, die man nicht leiden kann und ihnen ins Gesicht sagen: „Lass mich in Ruhe, du gehst mir auf den Sack, sprich mich nie wieder an.“ Es ist nicht persönlich gemeint. Es gibt Menschen die mag man und andere eben nicht.

Das ist normal!!!
Überall auf der Welt.
Im Australischen Outback wie in New York City.

Voraussetzung dafür wäre allerdings, das würde jeder so machen. Dann wüsste man es nämlich richtig einzuschätzen. Der Vorteil liegt auf der Hand. Man muss nicht Leuten ins Gesicht lächeln, die man am Liebsten anspucken möchte. Warum muss man irgendwelchen Leuten, die einem jahrelang auf der Arbeit gequält haben, ein scheinheiliges Abschiedsgeschenk machen, obwohl man lieber eine entsicherte Handgranate in den Korb legen würde? Warum muss man seinem Chef sagen, dass alles in Ordnung ist, wenn eben nicht alles in Ordnung ist, der Job einen ankotzt und die Firma schlecht geführt wird? Warum muss man seinen Kollegen sagen, dass man gerne mit ihnen zusammenarbeitet, obwohl sie einen nerven und völlig inkompetent sind? Warum akzeptiert man die nervende Rotzgöre am Nachbartisch, ohne aufzustehen und die Eltern (nicht das Kind) zu verprügeln? Warum zerkratzt man dem nichtbehinderten Drecksack auf dem Behindertenparkplatz nicht den Lack? Warum zerrt man nicht dem Busfahrer vom Fahrersitz, der mit Fahrgästen an Bord rauchend telefoniert (Kein Scherz!!)? Und warum fährt man nicht dem Egoisten aufs Heck, der 500 Meter vor der roten Ampel Schritttempo fährt und wir deswegen nicht rechts abbiegen können?

Ganz einfach!
Weil wir dann nur noch am Verprügeln, Anzeigen, Beschimpfen und Durchdrehen wären. Sodom und Gomorra! Romeo und Julia! Asterix gegen die Römer! Wenn nicht gelogen wird, gäbe es noch mehr Ärger auf der Welt als jetzt schon. Die Selbstmordrate würde ins Unermessliche steigen. De Welt ist durch Selbstbeherrschung, tagtägliche Unwahrheiten und Notlügen ein Stückchen einfacher, … und weil diese Fähigkeit die Grundlage für ein friedliches Miteinander ist, müssen wir einfach lügen. Tag für Tag für Tag. Man nennt das Diplomatie. Unsere Zivilisation beruht auf Notlügen und Scheinheiligkeit. So schlimm sich das anhört, so richtig und gut ist das nun mal. Menschen sind halt einfach komisch!

Aber jetzt mal ganz ehrlich: Manchmal könnte ich,…

Bis dahin

lesen Sie wohl

Ihne Ihrn

Meddi Müller



Copyright 2019. All rights reserved.

Veröffentlicht26. April 2017 von meddi in Kategorie "Uncategorized