Über das effiziente Nutzen vom exspektativem Verhalten in allen Lebenslagen!

Haben Sie einmal darüber nachgedacht, wie viel Zeit Sie mit Warten verbringen? Sie stehen an der Ampel, Sie warten auf den Bus, Sie warten, bis Ihre Frau aus dem Bad kommt, Sie warten, bis der Morgen kommt, Sie warten auf bessere Zeiten, an der Kasse, beim Arzt, im Aufzug, in der Kneipe aufs Bier,… kurz: Überall!

Haben Sie mal ausgerechnet, wie lange Sie in Ihrem Leben an der Ampel stehen? Nein? Ich schon. Und ich habe nur diese elende Ampel an unserem Ortsausgang mal nachgerechnet. Um aus diesem Kaff mit dem Auto herauszukommen, muss diese Ampel überwunden werden. Und was meinen Sie, welche Farbe an dieser Ampel Standard ist? Klar, rot! Uns das Ding steht satte zwei Minuten auf dieser vermaledeiten Farbe.

Ausgehend davon, dass ich durchschnittlich vier Mal am Tag an dieser roten Ampel stehe, was durchaus realistisch ist, verbringe ich 8 Minuten pro Tag, also insgesamt 2920 Minuten pro Jahr an dieser Ampel, ohne etwas zu tun, außer dumm dazusitzen und auf ein bescheuertes Licht zu starren, welches mich nötigt, stehen zu bleiben. Das sind 48,66 also gerundete 49 Stunden pro Jahr. Ich  wohne seit 2006 hier, das macht dann insgesamt 539 Stunden oder 22,45 Tage in den letzten elf Jahren. Also quasi pro Jahrzehnt verbringe ich über 20 Tage meines Lebens damit vor dieser verkackten Ampel rumzulungern. Das ist doch krank!

Aber, … ich habe eine Lösung gefunden, der Ampel ein Schnippchen zu schlagen und möchte Ihnen dies als Inspiration weitergeben. Wenn wir die Warterei auf Dinge aller Art schon nicht verhindern können, so sollten wir sie wenigstens nutzen. Zum Beispiel heute Morgen beim REWE an der Kasse. Ich stehe da und warte bis ich dran bin. Da höre ich den Satz aus dem Irgendwo: „Dazu sag ich nichts, ich enthalte mich meiner Meinung.“ Da schießt es mir zuerst ins Genick und dann in den Kopf. Ins Genick, wegen des schrecklichen Satzes, der nicht im Spaß gesagt wurde, sondern bitterer Ernst war und dann noch in den Kopf, weil ich mir Gedanken darüber mache, ob man sich seiner Meinung überhaupt enthalten kann. Spontan würde ich sagen: „Nö, … geht nett.” Entweder ich habe eine Meinung oder nicht. Deshalb kann man eine Meinung entweder vertreten oder aber verschweigen. Aber sich der Meinung enthalten… wie soll das gehen? Oder wie sehen Sie das? Kann man sicher seiner Meinung enthalten? Was bedeutet das genau?

Definieren wir erst einmal die Meinung:

Wikipedia sagt: Eine Meinung ist im engeren Sinn die subjektive Ansicht und Einstellung zu Zuständen, Ereignissen oder anderen Personen, ihre wesentliche Aufgabe ist die Bewertung oder Beurteilung, sie sagt aus, wie jemand/etwas sieht.

Ganz klar definiert. Eine subjektive Ansicht oder Einstellung also. Wenn etwas subjektiv ist, dann ist es also ein Werturteil, was ein wesentlicher Bestandteil der Meinung ist. Wenn ich also etwas bewerte, dann Fälle ich ein Urteil. Und ein Urteil ist eine klare Angelegenheit, der man sich nicht enthalten kann.

Definieren wir Enthaltung:

Hier sagt die allwissende Wikipedia: Die Stimmenthaltung ist – wo zulässig – eine Form der Ausübung des Stimmrechts und bedeutet, dass eine Person weder für noch gegen einen Antrag stimmt in der Absicht, weder positiv noch negativ auf das Zustandekommen eines Beschlusses einzuwirken. Bei einer Stimmenthaltung möchte also ein stimmberechtigtes Mitglied für seine Entscheidung keine Verantwortung übernehmen

Mmmmh, … also ist man doch in der Lage sich seiner Meinung zu enthalten, denn eine Meinung ist gleichgesetzt mit einer Entscheidung. Man hat also eine Entscheidung getroffen oder sich eine Meinung gebildet, man will aber dafür keine Verantwortung übernehmen. Ergo, war der Satz gar nicht so falsch.

Aber bescheuert hat sich’s trotzdem angehört! Zumal es keine Absicht war. Eher … Bildungsentfernung.

Während ich mir also darüber so meine eigene Meinung bildete, machte es schwubbs und schon war ich € 11,39 ärmer und durch die Kasse durch. Genial! Ich hatte endlich einen Weg gefunden, mir diese ewige Warterei auf alles und jeden zu einem Werkzeug zu machen. Ich habe quasi diesen Blogeintrag heute Morgen an der Kasse schon geschrieben. Sensationell!! Was für ein Synergieeffekt. Ich sollte mir das patentieren lassen.

Und was lernen wir nun daraus?

Ganz einfach. Am besten heben wir uns alles auf, über das wir schon immer einmal nachdenken wollten und nutzen dann die Zeit, die wir mit Warten verbringen, um über diese aufgehobenen Gedanken nachzudenken. So schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe. Zum einen nutzen wir Wartezeit sinnvoll und gleichzeitig lösen wir das ein oder andere Problem quasi nebenbei.

Und als Drittes und wichtigstes: Wir haben der nerztötenden Ampel am Ortsausgang ihren Schrecken genommen!

Bis dahin

Ihne Ihrn

Meddi Müller



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Veröffentlicht17. Juni 2017 von meddi in Kategorie "Blog